THOMAS DÜRST FOTOGRAFIE

Graffiti und Street Art:
Graffiti-Arten

(17. April 2021)
Zweifellos sind Style Writing-Graffiti wegen ihrer Größe und Farbigkeit die auffälligsten Graffiti. Daneben gibt es aber eine ganze Reihe weiterer Arten, die sich im Erscheinungsbild (und/oder in der Herstellungstechnik; dazu ein andermal) von diesen unterscheiden — neben den nachfolgend beschriebenen noch weitere wie z.B. Pichação, Klo-Graffiti oder Ultras-(Fußballfan-)Graffiti.

Alle Fotos: © Thomas Dürst 2021

Tag

Tags (engl.) sind sozusagen die Vorläufer der Style Writing-Graffiti. Sie stellen die Signatur der Writer oder der Writer-Crew dar (nicht zu verwechseln mit der Signa­tur von Style Writing- oder anderen Graffiti-Typen — Tags stehen für sich selbst). Primäres Ziel der Writer ist, ein möglichst individuelles und charakte­risti­sches Tag zu schreiben, das sie/ihn von anderen unterscheidet. Daher verwenden manche Writer viel Zeit auf die Ent­wicklung ihres Tags, das dann an allen Anbringungs­orten in gleicher Form geschrieben wird.
Tags dienen der Markierung des Territoriums der Writer ebenso wie ihrer Präsenz in der Öffentlichkeit: Je mehr Tags eines Writers existieren, desto eher gelangen sie dauerhaft ins Bewusstsein der Betrachter. Der Text ist das Pseudo­nym des Writers.
Style Writing-Graffiti ermöglich(t)en als Weiterentwicklung der Tags den Writern, mit ihren Signaturen erheblich mehr aufzufallen als dies mit Tags möglich ist. Tags werden aber nach wie vor häufig angebracht, da sie schnell fertig gestellt sind und damit in kurzer Zeit auch in größerer Zahl verbreitet werden können.


Ein sehr einfaches, aber leicht lesbares Tag.
München-Haidhausen (August 2019)

Zwei etwas ausgefeiltere Tags an einer Haus­wand in Geltendorf (Mai 2016)

Zwei Tags unterschiedlicher Komplexität auf einem Stromkasten.
München Sendling-Westpark (Sept. 2019)

Tags üben eine unwiderstehliche Anziehungs­kraft aufeinander aus: Wo eines angebracht wurde, kommen bald weitere hinzu.
München-Au (Dez. 2008)


Namen-Graffiti

Namen-Graffiti unterscheiden sich von Tags ganz wesentlich dadurch, dass die geschriebenen Namen keine Pseudonyme, sondern Realnamen sind. Auch ver­fol­gen sie ein anderes Ziel: Durch die Anbringung des Namens, oft mit Datums­angabe, soll die Anwesenheit des/der Urheber/in an diesem Ort, ggf. an einem bestimmten Tag, manchmal auch eine Liebesbeziehung, dokumentiert werden. Besonders häufig werden solche Graffiti an touristischen Besonderheiten angebracht.


München, Peterskirche (Aug. 2004)

Berlin-Friedrichshain, auf einem Werk an der East Side Gallery (Aug. 2013)

Berlin, Aussichtsplattform Kollhoff-Tower, Potsdamer Platz (Aug. 2014)

München, Nymphenburger Park (Nov. 2018)



Text-Graffiti

Anders als Tags und Style Writing-Graffiti stellen Text-Graffiti kein Pseudonym dar, sondern haben eine Aussage, die sehr unterschiedlicher Natur sein kann. So finden sich beispielsweise neben Liebeserklärungen und Meinungsäußerungen Lebensweisheiten, Widmungen, politische Parolen, gesellschaftskritische Aus­sagen oder ein­fach nur mehr oder weniger lustige Sprüche.


Berlin Kreuzberg (April 2014)

Klare Ansage. Grafrath (Mai 2015)

Berlin-Friedrichshain (Aug. 2018)

Augsburg (Nov. 2019)

Berlin-Friedrichshain (März 2014)

Manchmal dienen Text-Graffiti auch der Kommunikation der Writer untereinander.
München-Haidhausen (Juli 2020)



Character

Character sind Darstellungen von Menschen, Tieren, Comic-Figuren oder Phantasiegestalten. Sie werden oft als Ergänzung zu Style Writing- oder Text-Graffiti gemalt, aber auch als eigenständige Graffiti.


Die Maus aus der Sendung mit der Maus
Berlin Charlottenburg (Aug. 2014)

Thaddäus Quentin Tentakel aus der Serie "Spongebob Schwammkopf"
München, Brudermühlbrücke (Jan. 2011)

Bart Simpson aus der Serie "Die Simpsons"
München-Sendling (Juni 2019)

München-Neuhausen (Dez. 2019)

München-Untermenzing (Mai 2020)

Berlin Mitte (Okt. 2019)

München-Haidhausen (Aug. 2018)







© Thomas Dürst 2021