THOMAS DÜRST FOTOGRAFIE
Portfolios Übersicht


WAHR-
NEHMUNG



 
 

 

In der Serie „Wahrnehmung I” (begonnen 2005), aus der hier vier Beispiele gezeigt werden, sind "Dinge" von Bedeutung, die zwar sichtbar, aber physisch gar nicht vorhanden waren. Die Aufnahmen wurden so nachbearbeitet, dass diese "Dinge" deutlicher heraustreten und erkennbarer wesentliche Elemente der Fotografien wurden.

Die Serie II (ebenfalls begonnen 2005) umfasst Arbeiten, die aus jeweils zwei Fotografien bestehen. Durch unterschiedliche Filterung der Originalaufnahmen bei der Schwarz-Weiß-Umsetzung sind Bildpaare entstanden, deren zwei Einzelbilder zwar auf exakt den gleichen äußeren Bedingungen basieren (sie sind aus der selben Aufnahme gefertigt), aber dennoch deutliche Unterschiede zeigen. In jeder der beiden Foto­grafien treten Details in Erscheinung, die im aufgenommenen Motiv zwar vorhanden, aber in der jeweils anderen Fotografie nicht sichtbar oder völlig anders gewichtet sind.

In der Serie III (begonnen 2014) sind Objekte und Schatten dargestellt — bei genauerem Hinsehen stellt sich allerdings heraus, dass hier etwas nicht stimmt (obwohl die Aufnahmen dies­bezüglich nicht manipuliert wurden).
Eine Fotografie ist ein Ausschnitt aus unserer Umgebung. Dies gilt grundsätzlich auch für unsere Wahrnehmung: sie ist niemals vollständig, sondern erfasst maximal nur das, was wir mit unseren Sinnen, ggf. erweitert durch technische Hilfsmittel, aufneh­men können. Ein vollständigeres „Bild” würden wir nur durch eine sehr viel umfas­sen­dere Wahrnehmung erhalten (wobei es nebenbei bemerkt ein Bild, eine Projektion der Umwelt in unser Bewusstsein bleiben würde). So ist es auch bei dieser Foto­gra­fie: Die Unstimmigkeit würde sich nur auflösen, wenn wir einen wesentlich größeren Ausschnitt sehen könnten.

Die Serie IV (ebenfalls begonnen 2014) hebt darauf ab, dass wir nur allzu leicht bereit sind, Gegebenheiten wahrzunehmen, wenn diese unseren Erwartungen ent­sprechen — ohne Prüfung, ob diese Gegebenheiten überhaupt mit den Tatsachen vereinbar sind. So scheint in der gezeigten Fotografie eine von Wellen durchzogene Oberfläche darge­stellt zu sein. Wenn etwas aussieht wie Wellen, dann müssen es auch Wellen sein — denken wir. Tatsächlich handelte es sich aber um eine völlig ebene Fläche. Die ge­bogenen Formen der hellen Elemente lassen uns lokale Krüm­mungen der Fläche an­nehmen. Bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass es physikalisch wohl unmöglich ist, dass es sich um Wellen handelt.

© Thomas Dürst 2015